Biodi … was?!
Grüne luden zum Rundgang durchs Arboretum

Vergangenen Sonntag hatten die Grünen der Anrainer-Kommunen Sulzbach, Schwalbach
und Eschborn unter dem Stichwort “Biodiversität” zu einer Führung durch das Arboretum
eingeladen. Der neue Leiter des Forstamtes Königstein, Sebastian Gräf, ließ es sich nicht
nehmen, selbst die Führung zum Thema „Biodiversität“ zu übernehmen. Das Arboretum ist
also Chefsache, darüber dürfen sich die Anrainer freuen. Bei bestem Spätsommerwetter lief
die kleine Gruppe gut zwei Stunden entlang der Spazierwege, lauschte den Informationen
des Försters und stellte Fragen.

Dass das Arboretum Vegetation aus unterschiedlichen Bereichen der Nordhalbkugel
beheimatet und in den 1970ern als Ausgleich zum Frankfurter Flughafen eingerichtet wurde,
wussten viele der Teilnehmenden bereits. Neu war aber für viele der Gedanke, dass es
damit quasi als Forschungsstätte für Bäume dient, die im Klimawandel zukünftig für unsere
Breiten geeignet sein können. Dabei komme es darauf an, erläuterte Gräf, Pflanzen zu
finden, die sowohl Frost als auch die häufiger werdenden Trocken- und Hitzephasen
ertragen. Die findet man nicht nördlich oder südlich von hier sondern östlich und westlich.
Das Forstamt sorgt neben den Bäumen durch gezielte Maht auch dafür, dass Wiesenflächen
erhalten bleiben. “Die gehören auch zum Wald, das übersehen manche”. Die Biodiversität,
so Gräf, sei dort am größten, wo unterschiedliche Vegetationsbereiche aufeinander treffen,
und je diverser eine Fläche, desto robuster sei sie, wenn sich das Klima verändere. Auch
draußen im richtigen Wald habe man die Strategie geändert. “Früher wurden beim
Durchforsten alle Bäume außer den Fichten entfernt. Heute entfernt man nur die Fichten und
lässt alle anderen stehen. Welche Baumarten schlussendlich “erwachsen” werden sollen,
kann dann später entschieden werden, wenn man mehr weiß, welche Arten gut
funktionieren. Die Fichten haben zukünftig in unseren Breiten wegen des Klimawandels
schlechte Überlebenschancen.” Das sehe man an den Kahlflächen nicht nur im Taunus,
sondern auch in Nordhessen und im Sauerland. Selbst Buchen täten sich mit den
geänderten Bedingungen schwer und gingen manchmal ein. Dass man das Holz der
absterbenden Bäume dort nutze und nicht stehen lasse, verteidigte Gräf: Nach spätestens
drei Jahren wäre es lebensgefährlich durch einen Wald mit Totholz zu gehen, eine
Durchforstung und Befreiung z.B. von Brombeeren unmöglich. Zudem, unterstrich Gräf,
brauchen wir dringend das Holz, gerade um dem Treibhauseffekt zu begegnen. Holz als
Baustoff nimmt CO2 auf, Beton dagegen setzt das Klimagas frei. Jede:r Deutsche verbraucht
Jährlich 1,5 Festmeter. Gräf zeigt auf die 50 jährige Eiche ein paar Meter weiter: “Das sind
zwei davon”. Bei 80 Millionen Menschen kommt da schon etwas zusammen.
Kummer machen dem Forstamt Vandalismus und Vermüllung. Schon zum dritten Mal wurde
eine Fläche frisch gesetzter Bäume zerstört. Das ist besonders ärgerlich, da es sich um
seltene Bäume handelt, die besonders sorgsam gepflanzt und umhegt wurden, bis
irgendjemand sie ausgerissen oder abgeknickt hat. Ebenfalls ärgert man sich im Forstamt –
und die Teilnehmenden stimmen laut nickend zu – dass die Leute immer wieder Müll im
Arboretum lassen. Wer etwas herein bringe, solle es bitte wieder mitnehmen. Durch die
Kommunen aufgestellte Mülleimer würde der Forstamtsleiter gerne nehmen, zumal dann, so
eine Anmerkung aus dem Publikum, die freundlichen Menschen, die den Müll anderer
aufsammeln, nicht mit ihrer Sammlung spazieren gehen müssten. Allerdings sollten es nicht
zu viele sein. Bisher sind nur nur auf Sulzbacher Seite Abfalleimer aufgestellt.
Referenzen:
[1] Forstamtsleiter Ralf Heitmann im Ruhestand. Sebastian Gräf übernimmt Nachfolge.
https://www.hessen-forst.de/post/aktuelles/32-jahre-im-forstamt-koenigstein/

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