Rede STVV 15.7 Top 8 Vortrag Bebauung Hauptstr 71-87

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich könnte es mir jetzt sehr einfach machen und mich meinen Vorredner:innen anschließen, aber dabei würde ich die für uns Grünen wichtigen Aspekte zu diesem Thema vernachlässigen.
Positiv ist anzumerken, dass es sich bei diesem Bebauungsplan Nr. 259 an der Hauptstraße 71 – 87 um eine Wohnbebauung handelt, die, auch im Hinblick auf die steigenden Mieten in Eschborn, 30% der Wohnfläche geförderter Wohnraum beinhaltet, ohne dass zu einer Versiegelung von wertvollen Acker- und Naturflächen führt. Auch dies ist positiv hervorzuheben. Eschborn braucht Wohnraum, der auch für Menschen mit mittlerem oder niedrigen Einkommen bezahlbar ist.
Trotzdem möchte ich auch auf die Aspekte eingehen, die bei uns Grünen zu Bauchgrimmen und zu Diskussionen geführt haben. Da wäre zum einen der im iMBPlan vorgeschlagene Stellplatzquotient von 75% der Autostellplätze im Vergleich zur Eschborner Stellplatzsatzung – Also 160 im Vergleich zu mindestens 220 gemäß Satzung. Auch ein Fahrradabstellkonzept sucht man vergeblich. Hier besteht Nachbesserungsbedarf! Ja, selbst die bestehende Eschborner Stellplatzsatzung würde aus unserer Sicht nur das Minimum an Auto- und Fahrradstellplätzen beschreiben. Dieses Minimum ist zwar im Teil C Seite 12, in der „Satzung über bauordnungsrechtliche Festsetzung“ festgeschrieben worden, aber wird auf die aktuell gültige Fassung verwiesen, deren zeitgemäße Überarbeitung die Stadtverordnetenversammlung am 03.09.2020 beschlossen hat.
Selbst wenn in Zukunft weniger Autos mit Verbrennungsmotor unterwegs wären, würden die meisten Menschen dann wohl mit einem E- oder W-Auto einpendeln anstatt mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Dies geht auch aus dem zu Grunde liegenden Mobilitätskonzept hervor, das je nach Tageszeit eine Verkehrszunahme von mindestens 16% auf der Hauptstraße vorsieht. Natürlich liegt das nicht nur an diesem Planungsvorhaben, aber diese Brisanz sollte bei jedem zukünftigen Bauvorhaben an der Hauptstraße mit einbezogen werden, insbesondere da nicht alle heute bekannten Bebauungen (z.B. Seniorenimmobilie Rapp-Kreise, Zunahme Wiesenbad) in diese Verkehrsanalyse eingeflossen sind. Gegebenenfalls sollten Konzepte entwickelt und umgesetzt werden, damit die negativen Auswirkungen der Verkehrszunahme auf die Bürger, insbesondere auf die Grundschüler, verringert werden.
Ein weiteres Augenmerk stellen für uns die klima-ökologischen Bedingungen dar. So ist in dem Bebauungsplan weder von einer möglichen Dachbegrünung noch von einer Photovoltaik-Anlage die Rede. Von einer Solar-City bzw. ökologischen Planung ab Bauplanenwurfsphase sind wir hier noch weit entfernt. Auch das beschriebene Minimum an Bäumen und Grünschnitt – hier 1 Baum auf 100 qm gärtnerisch
gestalteter Fläche ist lächerlich gering. Hier sollte zukünftig darauf geachtet werden, dass jedes Mehr an Bäumen und Grünem Eschborn in der Klimabilanz besser dastehen lässt.
Wir stimmen dieser Beschlussvorlage zu, werden aber bei jeder zukünftigen Entscheidung zu diesem Thema, unser Augenmerk auf die für uns wichtigen Aspekte richten, die ich zuvor genannt habe.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(Es gilt das gesprochene Wort)

Stefan Henschel

Beschlussvorlage : https://eschborn.more-rubin1.de/vorlagen_details.php?vid=202131406100042

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